4 Tage im peruanischen Dschungel Erste Tage in Cusco Nach unserer ersten Reise 2009 nach Peru begann unsere knapp 7-wöchige Reise im September/Oktober 2010 im Flughafen Zürich echt peruanisch, das Computersystem der Fluggesellschaft war ausgestiegen und konnte erst nach einer guten Stunde wieder in Betrieb genommen werden. Nach 21 Stunden Reisezeit, davon etwa 15 Stunden reine Flugzeit kamen wir am Freitagmorgen (Zeitverschiebung 7 Stunden) recht müde in der Andenstadt Cusco an. Cusco war uns sofort wieder sehr vertraut, die vielen Taxis, die Plaza de Armas, wo man alle Minuten von einem Schuhputzer angehauen wird, die Plazoleta San Blas, ein Künstlerviertel, wo auch die Pension Alemana, das Hotel für die erste Zeit etwas erhöht eine gute Aussicht bietet. Das muss man aber auf 3400 M.ü.M mit einem übermässigen Puls büssen! Das Hotel hat wohl einen deutschen Namen, das Personal ist einheimisch und muy, muy amable, dienstbereit und hilft in Englisch und Spanisch. Am Sonntag besuchen wir die Messe in der Kathedrale, die einzige Möglichkeit, den wunderschönen Bau mit seinen reich mit Gold verzierten Altären gratis ;-) bestaunen zu können. Schon während der Messe hört man bereits von draussen auf der Plaza die Musik zum allsonntäglichen Aufzug der Peru- und der Inkafahne spielen. Dieser Fahnenaufzug ist eine totale Show und dauert fast zwei Stunden mit der Stadtbehörde auf der Tribüne und Vorbeimärschen von Militärformationen, Vereinen, Schulen, Collegios – alle mit militärischem Stechschritt. Das führt immer wieder zum Schmunzeln, besonders bei übergewichtigen Männern oder Frauen mit Stöckelschuhen auf dem holprigen Pflaster.. 4 Tage im Dschungel des Amazonasbeckens Mit chaskitours verbrachten wir nach einigen Tagen in Cusco vier Tage im Manu-Nationalpark, dem mit 2 Millionen Hektaren grössten voll geschützten Urwald der Erde mit einer frei für Touristen zugänglichen Zone. Tag 1: Eine abenteuerliche Fahrt mit einem Kleinbus und der Reisegruppe von 8 Europäern aus 5 Ländern plus Guide, plus Koch, plus Fahrer führte uns über Ninamarka mit den Chullpa’s (Grabstätten aus der Pre-Inkazeit) und Paucartambo zuerst auf 3560 Meter hinauf zum Start in den Dschungel mit seinen zwei Stufen (Nebelwald bis über 3000 Meter hinauf und Regenwald im Amazonas-Becken). Die Fahrt war wegen ihrer oft unbefestigten und sehr engen Strasse in der Qualität zwischen einem Bachbett und einer schlechten Forststrasse in der Schweiz vergleichbar mehr als nur abenteuerlich. Gegen oben waren es Steilhänge, gegen unten steile Bergwände, immer wieder ohne schützendes Gehölz und zwischen 50 und etwa 400 Metern tief. Fehler waren beim Fahrer besonders beim Kreuzen mit Lastwagen nicht erlaubt – sonst wäre dieser Bericht nicht geschrieben worden. Auf den Fahrtunterbrüchen konnten wir an den kurzen Wanderungen im Nebelwald Wollhaaraffen und Tamarinen (kleinste aber sehr "herzige" Affenart), farbenfrohe grosse Vögel wie den Cock on the Rocks, Bromelien und weitere besondere Pflanzen entdecken. Nach einer Fahrt von neun Stunden wurde in einer sehr einfachen Lodge in Pilcapata, dem Eingang zum Regenwald des Amazonas, übernachtet. Tag 2: Am Morgen war bereits eine längere Wanderung mit unserem Guide Marco (etwas über 20 Jahre jung und zwei Köpfe kleiner als ich – deshalb auch Marcito gerufen) angesagt. Marco kannte alles, sah alles und wusste alles. Wir hatten die Gelegenheit, eine legale Cocaplantage zu besuchen, wo uns Marco auch noch mit farbigen Früchten des Achiote (Annattostrauch, Bixa orellana) analog der traditionellen Gesichtsbemalung der Indios „dekorierte“. Nach einem atemberaubenden Aussichtspunkt auf den Dschungel und die Flusslandschaft des Rio Madre de Dios ging es bei Atalaya auf einem Motorboot weiter. Das Motorboot mit einem 65-PS-Aussenborder rutschte bei Niedrigwasser in den Stromschnellen oft mit lautem Geräusch über den steinigen Flussgrund. Die Fahrt bot Gelegenheit zu Beobachtung von Wasservögeln wie Reihern, Kranichen und kormoranartigen Schlangenhalsvögeln und führte schliesslich zu einem natürlichen Becken in Flussnähe, das von sehr warmen Quellen gespiesen wird. Zur Abkühlung genossen wir anschliessend noch ein Bad im Fluss, nachdem Guide Marco uns versichert hatte, dass hier keine Kaimane auf knusprige Europäer warteten. Einen Nachteil mussten wir aber hinnehmen. Sandfliegen flogen Attacken auf unsere Beine vor und nach dem Bad, Stiche und Schwellungen waren die Folge des Vergnügens. Unser Koch hatte in der Zwischenzeit ein tolles Mittagessen vorbereitet, das die kleinen Bobos rasch vergessen liess. Nach fünf Stunden Flussfahrt und einem 15-Minuten-Marsch erreichten wir die Bonanza Ecolodge in völliger Abgeschiedenheit, mit dem kleinen Nachteil, dass wir bei über 30 schwül heissen Grad auch noch die ganzen Küchenutensilien und die Verpflegung mitschleppen mussten. Die Lodge ist nur vom Fluss aus zu erreichen. Sie hat mehrere Cabanas mit jeweils zwei Zimmern, die Betten mit Moskitonetzen geschützt. Kaltes Wasser gibt es, Strom mit Ausnahme einer kleinen Solaranlage für den Aufenthaltsraum keinen. Unsere Stirn- und Taschenlampen waren bei der rasch einsetzenden Nacht ab 18.00 Uhr gefragt. Schon am ersten Abend gab es eine dreistündige Nachtwanderung. Noch bei Tageslicht konnten wir wieder putzige Tamarinen, grosse wilde Truthähne und ganz besondere Pflanzen entdecken. Papageien krächzten beim Eindunkeln in den Baumwipfeln. Mit einem kleinen Stock lockte Marco auch eine riesige Tarantel aus ihrem Nest hervor. Wir wanderten mit Stiefeln teilweise durch die Stillwasser des Rio Madre, die starke Taschenlampe von Marco liess mehrmals in der Nähe zwei leuchtende Punkte in etwa 30 Metern aufblitzen – Kaimane. Marco marschiert von uns weg mit Badehose und Taschenlampe und versuchte einen Kaiman einzufangen. Kein Witz! Ein grosses etwa zwei Meter langesTier lässt er glücklicherweise in Ruhe. Ein kleineres nur etwa ein Meter langes Jungtier entwischt ihm nur ganz knapp!! Wir stehen alle während dieser Zeit in absoluter Stille und bei völliger Dunkelheit auf der anderen Seite des Stillwassers. Wir sind beruhigt, als er nach seiner Rückkehr erklärt, dass White Caimans nicht so aggressiv sind wie ihre schwarzen Genossen. Aber das muss man ja wissen! Während des Wartens konnten wir einen unglaublichen Sternenhimmel dank absoluter Dunkelheit ohne Lichtverschmutzung auf uns einwirken lassen und das immerwährende Geräusch der Tiere im Dschungel hören. Tag 3: Insgesamt über acht Stunden Wanderung durch den Primärregenwald auf engen trochas (Dschungelpfaden) führen uns durch das Dickicht. Wir erleben die unglaubliche Vielfalt von Pflanzen und Tieren, sehen Spuren von zwei Jaguaren, leider aber keine Tapire und keine Sumpfschweine, obwohl wir auf einem Hochsitz, mit Liegedecken ausgestattet warteten – eher aber mehr ermüdet schliefen! Für uns war es unbegreiflich, wie Führer Marco sowohl tags wie nachts mit uns ohne Karte tief in den Dschungel eindrang und den Weg zielgenau zurück zur Lodge fand. Fast ebenso unbegreiflich die Künste des Kochs, der barfuss, mit weisser Schürze und Kochmütze in freier Natur und in der Lodge Essen hervorzauberte, die auch bei uns jedem guten Restaurant problemlos Konkurrenz gemacht hätten. Tag 4: Nach der Tagwache um 0430 Uhr stand die Rückfahrt mit dem Boot auf dem Programm. In seichten Stromschnellen mussten die Männer auf Kommando in den Fluss springen und das Boot schieben, weil der Aussenborder angehoben werden musste. Zweimal mache ich das selber auch mit, komme aber dann im tieferen bis zur Brust reichenden Wasser kaum mehr ins Boot. Der Guide hat Erbarmen mit dem älteren „Señor Urs“ und lässt ihn zusammen mit den drei Damen im Boot. Ein Highlight war sicher die Sichtung von zwei der äusserst scheuen Riesenottern in ihrem Bau direkt am Wasser. Bei einer Salzlecke für Papageien halten wir an, marschieren durch lehmigen Schlamm, verfolgt von Sandfliegen und Moskitos. Die bootschiebenden Männer, deshalb nur in kurzen Hosen, versuchen mit den Händen indianertanzartig die Viecher abzuwehren. Salz leckende Amazonas-Papageien haben wir leider nicht erblickt, dafür aber kratzende Bootsschieber und Beine voller grosser roter "Stichwunden". Nach weiteren neun Stunden Fahrt im Kleinbus durch den Nebelwald erreichten wir total ermüdet aber wohlbehalten Cusco voll gewaltiger und bleibender Eindrücke, bereits aber wieder in der quirligen Stadt Cusco, fernab von tiefen Abgründen, mulmigen Gefühlen auf der Schotterpiste und Kaimanen bei völliger Dunkelheit in ein paar Metern Entfernung.
4 Tage im Dschungel des Manu Nationalpark (Peru)
Bild Richard Neher Bild Richard Neher DOWNLOAD als pdf DOWNLOAD als pdf
Webseite Marta und Urs Zumstein